MOTORSPORT


INTERVIEW MIT RENÉ MANDEL ǀ RENNFAHRER



EVENT JOURNAL besuchte René im "Berglöwen-Museum" zum Exklusiv-Interview.

 

EJ Sie führen mit Ihrem Engagement im Motorsport eine erfolgreiche Familientradition fort…

 

RM  Ich bin durch meine Familie infiziert worden. Hier im Museum können Sie ja sehen, was mein Opa im Motorsport in den letzten 45 Jahren geleistet hat. Und wenn man von klein auf dabei ist, dann färbt das natürlich extrem ab. Außerdem bin ich von der Seite beider Eltern „belastet“, die sich auch sehr für diese Sportart interessiert haben. Und so ist man dann „im Fluss“ des Motorsports.

 

EJ  Ihr Großvater war ein eindrucksvoller, richtungsweisender Mensch für Sie. Wenn Herbert Stenger nun Maler oder Fußballer gewesen wäre, wären Sie dann in diese Fußstapfen getreten?

 

RM  Es ist natürlich sehr schwierig, zu sagen, was wäre, wenn. Auf jeden Fall wird man durch die Familie beeinflusst. Trotzdem hatte ich immer die Wahl. Meine Mutter sagt heute noch oft zu mir, sofern ich eine andere Sportart ausüben möchte, wäre dies auch kein Problem. Ich kann sagen, ob das nun durch das Vorbild meiner Familie kommt oder ob ich durch mein Interesse oder meine Natur selbst auf den Gedanken gekommen bin, dass der Rennsport meine große Leidenschaft ist. Dafür brenne ich und darauf konzentriere ich alle meine Energien und Fähigkeiten.  Wenn ich wie jetzt während der Winterpause mehrere Wochen nicht im Rennauto sitzen kann, baut sich in mir eine unglaubliche Ungeduld auf und ich kann es wirklich kaum wieder erwarten, hinter dem Lenkrad zu sitzen.

 

EJ  hr Talent liegt somit ganz klar auf dem Bereich Motorsport und damit sind Sie schon sehr erfolgreich. Ist Ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet?

 

RM  Andere Hobbys habe ich nicht und ein anderes Talent habe ich nicht in mir entdecken

 können. Ich treibe gerne Sport und übe verschiedene Sportarten aus, aber alles im Hinblick auf meine Karriere als Rennfahrer. Ich muss ein umfangreiches Trainingsprogramm absolvieren für Kondition und Koordination.

 

EJ  Können Sie sich eine Zeit nach dem Leben als Profi im Autosport vorstellen?

 

RM  Es gibt verschiedene Varianten, wie man diesen Beruf ausüben kann, hobbymäßig auf Amateurebene oder als Profisportler. Dann wird es richtig kosten- und zeitintensiv, da ist kein Raum mehr für irgendetwas anderes. Ich kann mir im Moment kein anderes Leben bzw. keine andere Tätigkeit vorstellen. Vielleicht werde ich im Alter etwas ruhiger, aber jetzt liegt der Fokus voll auf dem Rennsport und ich versuche es sogar noch viel intensiver zu betreiben und in ein Werksteam zu kommen. 

EJ  Dann würde sich für Sie einiges ändern…

 

RM  Das ist völlig richtig. Dann müsste ich mir die Sponsoren nicht selbst suchen und mich um alles rundherum noch kümmern, da diese Aspekte im Background ablaufen würden und ich mich noch mehr auf die Rennen konzentrieren könnte.

 

EJ  Aktuell fahren Sie einen Hyundai i20 R5. In Ihrer Version ist das überhaupt kein Auto von der Stange. Wer entwickelt die notwendigen technischen Innovationen, die Ihr Fahrzeug schneller als die der Konkurrenz machen?

 

RM  Bei den Rallyes ist das so, dass die Fahrzeuge eine Homologation bekommen…

 

EJ  Entschuldigung, dass ich Sie an dieser Stelle unterbreche, Herr Mandel. Dieses Wort habe ich noch nie gehört und ich bin mir sicher, dass es auch für das Gros unserer Leser ein absolutes Fremdwort ist.

 

RM Das kann ich mir vorstellen. Besonders gebräuchlich ist der Begriff wirklich nicht. Bei der Homologation handelt es sich um ein Verfahren, das von der FIA angewendet wird. Sie ist der Kopfverband für den gesamten Motorsport. Wenn ein Fahrzeug homologiert wird, bedeutet das, dass es ge-normt und abgenommen wird nach den geltenden FIA-Reglements. Dann werden alle Autos dieser Reihe genau so gebaut und es gibt keine Möglichkeit mehr, etwas selbstständig am Fahrzeug zu verändern. Und je nach Vorschrift entstehen so die entsprechenden Klassifizierungen bzw. Kategorien z. B. in der Rallye. Bei uns ist es ein WRC2-Fahrzeug, das Fahrzeug ist Kategorie 5 und ist das höchste, was man im deutschen Championat fahren kann. Momentan sind keine schnelleren

Autos zugelassen. Unser Hyundai fällt also  in die leistungsstärkste Kategorie auf nationaler Ebene.

 

EJ  Im Rennsport trifft man bestimmt auf interessante Persönlichkeiten. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Begegnung, die Sie nachhaltig beeindruckt hat…

 

RM  Ich treffe natürlich viele berühmte Motosportler, dann entstehen Gespräche über den Sport logischerweise, weil man natürlich ein gemeinsames Interesse pflegt. Aber spontan fällt mir niemand ein, der mir  im Rahmen von so einer Begegnung ganz besonders imponiert hätte.

 

EJ  Als ich diese Fragen formuliert habe, ist mir durch den Kopf gegangen, dass ich bei meinen Kindern ein mulmiges Gefühl hätte, wenn sie so einem risikoreichen Sport nachgingen …

 

RM  Für meine Mutter ist es immer sehr speziell, wenn ich auf der Rennstrecke bin. Bei einer Rallye ist es so, dass genaue Startzeiten vergeben werden und egal ob meine Mutter zu Hause oder mit auf der Rallye ist, weiß sie dann genau, wann ich unterwegs bin. Also, da fiebert sie natürlich mit! Aber ich denke, es ist immer noch eine nervliche Belastung für sie, obwohl sie früher selbst einmal im

Motorsport aktiv gewesen ist. 

Sie weiß daher auch ganz genau, welchem Druck der Rennfahrer ausgesetzt ist und wie viel Nerven er braucht. Ich muss aber zugeben, dass ich mich nicht genau in diese Situation hinein versetzen kann.

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