LASS UNS RETTEN LASS UNS TEILEN


Die   wahnsinnige Menge von  rund  11   Millionen Tonnen Lebensmitteln wandert jedes Jahr in den deutschen Müll, also fast die Hälfte der Produktion. Das sind 11 000 000 000 kg Nahrung, die noch zum Verzehr geeignet gewesen wären und die unter der Aufbietung wertvoller Ressourcen wie Wasser, Energie und Rohstoffe vollkommen sinnlos produziert wurden. Ließe sich dieser unvorstellbare Essensberg nur halbieren, könnte man allein in Deutschland laut dem Bundesministerium für Ernährung 6 Millionen Tonnen Treibhausgase einsparen. Und Geld natürlich, denn die Leute bezahlen schließlich auch eine Menge fürs Essen. Neu ist diese Erkenntnis nicht, aber erst in den letzten Jahren sind Gegentrends auf die Welt gekommen, mit deren Hilfe es dieser Misere an den Kragen geht.

Es gibt verschiedene Ansätze die Essen retten, um einer Entwürdigung dieses kostbaren Gutes im Mülleimer zuvorzukommen. Denn darauf läuft es tatsächlich hinaus, aufs „Essen retten“. Dieser wunderbare, neu geschaffene Terminus trifft genau den Kern der Sache, nämlich dass da jemand ist, der sich in Not befindet, einer, dem geholfen werden muss. In diesem Fall sind es tatsächlich beide Seiten der am Essen Beteiligten, das zu verzehrende Nahrungsmittel sowie der/die Verzehrende.

Und so waren die Tafeln Vorreiter dieser unkonventionellen Bewegung, indem sie eine Logistik entwickelten, überschüssige, qualitativ astreine Lebensmittel an sozial bedürftige Menschen zeitnah zu vermitteln, diese also zu „retten“, indem sie sie ihrer Bestimmung zuführen, dem Verzehr nämlich. Hut ab vor den Tafeln, die mittlerweile 940 Einsatzorte deutschlandweit aufgebaut  haben und ihr Angebot für wirtschaftlich Schwächere auf Kleidung, Haushaltswaren, Kinderbetreuung, Möbel und Mittagstische ausgedehnt haben.

Andere Initiativen folgten und die Idee des Rettens durch Teilen ist ihnen allen gemeinsam. Foodsharing funktioniert nur so, dass einer, der zu viel hat, seine Lebensmittel für ganz wenig Geld oder sogar umsonst an Interessenten weitergibt. Meistens sind das Supermärkte oder Restaurants, die aufgrund des Mindesthaltbarkeitsdatums Regale bzw. die Küche leer bekommen wollen. 

Denn Zeit ist ein Schlüssel im Umgang mit Nahrung, was für die Foodsharer bedeutet, sie sind an Lösungen in time, also einer rechtzeitigen Vermittlung des Produkts interessiert, da niemand Verdorbenes konsumieren möchte. Und so haben etliche Foodsharing-Initiativen im Internet Infrastrukturen diesbezüglich aufgebaut. Auf foodsharing.de und anderen Portalen wie toogoodtogo.de kann man sich registrieren, um Teil der Community zu werden und Nachrichten zu empfangen, wenn jemand in der Nähe etwas abzugeben hat bzw. wenn bei einem selbst etwas übrig bleibt, das man beim besten Willen nirgendwo mehr unterbringt und dafür einen Abnehmer, also einen „Retter“ sucht. Erfreulicherweise gibt es auch in unserer Region Hanau und Main-Kinzig ein derartiges Angebot. foodsharing-hu-mkk.de bringt Essen und Retter zusammen und organisiert sogar gemeinschaftliches Kochen der geretteten Nahrungsmittel.

Die Organisatoren der Websites legen dabei ausnahmslos großen Wert auf Spielregeln, die wichtig sind für das Vertrauen der Teilnehmenden. Es darf z. B. nichts weitergegeben werden, dessen Verbrauchsdatum überschritten worden ist. Ferner muss bei gekühlten Produkten nachgewiesen werden, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wurde. Es gibt mittlerweile zahlreiche Websites, die ähnliche Dienstleitungen anbieten.

Eine interessante Entwicklung sind auch Portale, die über Rezepte für gerettetes, also in der Regel zusammengewürfeltes Essen informieren. 

Hier warten bekannte und unbekannte Köche und ganz normale Leute mit cleveren Ideen für oftmals einfach zu bewerkstelligende Gerichte auf.

Ein logistisches Novum sind die zahlreichen Apps, die es Anbietern und Nachfragern von zu rettenden Nahrungsmitteln erleichtern, zusammenzufinden. 

Manche agieren überwiegend in Großstädten, eine genaue Prüfung des Aktionsgebiets macht im Vorfeld daher absolut Sinn. Das ist nämlich ein weiterer glücklicher Nebeneffekt des Foodsharing: Man wirft einen Blick über den eigenen Tellerrand und entdeckt dann Menschen mit einer ähnlich auf Nachhaltigkeit geprägten Lebenseinstellung.

Und vielleicht kocht man dann mal gemeinsam.


zugutfuerdietonne.de

eatsmarter.de

restlos-gluecklich.berlin

foodsharing-hu-mkk.de

Too Good To Go

ResQ Club

Sir Plus

Etepetete