AUF DER JAGD NACH NEUEN RÄUMEN

Interview mit Hans Drexler ǀ Dipl. Arch. ǀ  Frankfurt am Main


Hallo Herr Drexler, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben.

 

Das Wohnen auf kleinem Raum ist, obwohl es ja angesichts der zunehmenden Verknappung von Wohnraum ein populäres Thema sein müsste, noch nicht flächendeckend im Bewusstsein von Planern und Bauherren angekommen.

Dipl. Arch. ETH Hans Drexler M. Arch.

1972 geboren am 19. Mai in Frankfurt am Main

1992-94 Grundstudium Architektur an der TU Darmstadt

1993-94 Mitarbeiter Architekturbüro Stefan Forster, Frankfurt

1994-98 Hauptstudium und Diplom in Architektur, ETH Zürich

1996 Mitgründung und Redaktion der Zeitschrift "Trans"

1997- 98 Studium Kunsthochschule Städel, Frankfurt,

Prof. Miralles

1998-99 Auszeichnung als Master Bartlett School, London

1999 Mitarbeiter Studio 8 mit CJ Lim, London

1999 Architekt Expo Hannover bei Markgraph, Frankfurt

1999 Assistent Universität Innsbruck

seit 1999 Mitinhaber Büro Drexler Guinand Jauslin

2001 Assistent CJ Lim Kunsthochschule Städel, Frankfurt

2001 Lehrauftrag Universität Innsbruck

 seit 2005 Wissenschaftlicher Mitarbeiter TU Darmstadt



Hans Drexler:

Bei den Mini-Häusern geht es in der Tat um die Thematik der Nachverdichtung. Es geht darum, in die bestehende Stadtstruktur kleine Gebäude einzubauen und dadurch eben die Nutzungsdichte der bestehenden Baugebiete und der bestehenden Infrastrukturen zu erhöhen. Der Begriff „Mini-Haus“ ist nicht ganz klar definiert, unser Architekturbüro hat sich ihm im Zuge einer ausführlichen Beschäftigung mit Japan genähert, wo die Wohngebäude sehr vielkleiner als bei uns sind. Von den Wohnflächen wie auch den Abmessungen der Grundstücke her herrscht dort eine viel kleinteiligere Struktur vor. Das hat unser Interesse geweckt und der Übertrag, wie man diese Ideen in die hiesigen Wohnverhältnisse übersetzen kann. Und der andere Aspekt, der uns bei unseren Forschungen angetrieben hat, ist eben der schon erwähnte der Nachverdichtung.

 

EVENT JOURNAL:

Die Knappheit des Wohn- und Lebensraums vor allem in der Stadt führt zu explodierenden Grundstücks- und Mietpreisen. Können Sie bitte ein Beispiel nennen, wie die Umsetzung des Konzepts für Mini-Häuser dem schon entgegen wirken konnte?

 

Hans Drexler:

Wir haben eine Studie durchgeführt um zu sehen, wie viele Wohneinheiten durch Nachverdichtung zu schaffen wären. Dabei hat sich ergeben, dass allein im Frankfurter Kerngebiet ohne Außenbezirke 12 000 Wohnungen entstehen hätten können.

 

EVENT JOURNAL:

Wurde das dann auch umgesetzt?

 

Hans Drexler:

Ich weiß, dass viele der Baulücken, die wir damals untersuchten, geschlossen wurden.  Es   gibt aber  diesbezüglich  weiterhin  großes Potenzial. Wir haben damals bei diesen 12 000 Wohneinheiten ausschließlich Nachverdichtungen auf kleinem Raum und Hochhäuser in zweiter Reihe betrachtet und es sind dann relativ viele unter dem Druck und auch angesichts der Gewinnerwartung der Beteiligten verwirklicht worden.

 

EVENT JOURNAL:

Lassen Sie uns im Lebensraum Stadt bleiben. Die Städte werden in Zukunft von der Klimakrise stärker betroffen sein als ländliche Räume. Sehen Sie einen Aspekt, der das Wohnen in Mini-Häusern in Bezug auf die Klimaerwärmung erträglicher machen könnte?

 

Hans Drexler:

Ich glaube, jetzt geht es darum, das Große Ganze zu betrachten. Natürlich bedeutet mehr Bebauung weniger Belüftung der Städte. Aber wir müssen immer überlegen, welche Alternativen es gibt. Wenn ich jetzt anfange, mehr landwirtschaftliche Flächen und Naturräume um die Städte herum plattzumachen und zu bebauen, ist der Schaden wesentlich größer, als mit Nachverdichtungen in das bestehende Gefüge einzugreifen. Das ist unsere Argumentation, die wir mit diesen Mini-Häusen und unserer Studie aufmachen. Wir können nicht sagen, dass nicht mehr gebaut werden darf, was für das Klima natürlich am besten wäre, denn der Bedarf der Menschen ist ja vorhanden. Wenn allerdings gebaut wird, ist es auf jeden Fall ökologisch sinnvoller, dies in den Städten zu tun und nicht neue Siedlungsgebiete zu erschließen. 


Das Minihaus ǀ Frankfurt am Main 

Das aus der Gründerzeit stammende Objekt in der Mechenstraße in Bonn wurde umfangreichen Umbaumaßnahmen unterzogen und sowohl in energetischer, funktionaler als auch gestalterischer Sicht auf den neuesten Stand gebracht. Hofseitig wird die Wohnfläche mit einem Holzbau erweitert und den Innenräumen ein großzügiges, modernes Ambiente verliehen. Die Struktur des Gebäudes wurde einer neuen Nutzung angepasst: Aus den kleinteiligen, abgeschlossenen Räumen wurden ein großzügiger fließender Wohnraum, der heutigen Ansprüchen entspricht und langfristig für zukünftige Wohnformen genutzt werden kann. Projektzeitraum: 2010 – 2012 ǀ Fläche: 300 m² ǀ Bauherr: privat ǀ Preise: Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung ǀ FAZ Preis: Neue Häuser 2012 

Bilder: Drexler Guinand Jauslin Architekten  ǀ Frankfurt am Main 

Passivhaus ǀ Mechenstraße, Bonn



EVENT JOURNAL:

Ein wesentlicher Schwerpunkt für die gute Öko-Bilanz der Mini Houses ist auch die Wahl des Materials.

 

Hans Drexler:

Wir haben uns aus diesem Grund auch in der Regel für Holz entschieden, aber es gibt vieles, was für diesen wunderbaren Baustoff spricht. Es ist nicht zwingend für den Architekten, sich für Holz zu entscheiden, aber es gibt wie gesagt wirklich viele gute Gründe dafür. Wir denken grundsätzlich, dass es unter ökologischen Gesichtspunkten die überlegene Bauweise ist, weil im Holz CO2 eingelagert ist und für die Zeit, in der das Gebäude steht, die Atmosphäre so entlastet wird. In Deutschland wird das Holz auch zertifiziert nachhaltig produziert. Man sollte nicht auf ausländische Ressourcen zurückgreifen wie z. B. aus Sibirien, da hier keine vergleichbaren Vorschriften zur Wiederaufforstung bestehen. Ferner haben sie durch Holz auch bauliche Vorteile. Stellen Sie sich vor, sie arbeiten auf schwierigen, schwer zugänglichen Baustellen oder im Bereich der Aufstockung. Man hat einen hohen Vorfertigungsgrad und weniger Lärm und Dreck auf der Baustelle, bringt geringere Gewichte auf. Der letzte Punkt ist essentiell, wenn ich z. B. auf bestehende Strukturen aufsetzen will. Wir haben zum Beispiel in Frankfurt Bockenheim auf einen Kiosk aus den 40-er  Jahren  noch  vier  Geschoße aufgesetzt und mit Holz war das möglich, mit allem anderen wäre das viel schwieriger. Von daher sehen wir die Holzbauweise als ideal für Mini-Häuser an, aber wir sehen das trotz allem nicht als dogmatisch eins zu eins miteinander verknüpft an. Es kann durchaus sein, dass man unter gegebenen Umständen zu eieiner anderen Lösung kommt, aber für uns war das eben bisher die beste Lösung.

 

EVENT JOURNAL:

Erlauben Sie mir einen kleinen Einwurf zur Nachhaltigkeit. Es dauert doch wirklich viele Jahre, bis ein Baum endlich eine gewissen Größe hat und als Baumaterial zur Verfügung steht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich möglich ist, die Masse an Bäumen, die ständig gefällt wird, wieder durch Pflanzungen auszugleichen.

 

 

Hans Drexler:

Forstwirtschaft ist natürlich ein sehr langwieriges Geschäft. Nadelbäume werden nach ungefähr 40, Laubbäume nach 60 bis 80 Jahren geerntet. Aber so funktioniert  es tatsächlich seit 1614 in Deutschland, das ist die in Deutschland wirklich sehr gut eingeführte nachhaltige Forstwirtschaft.